Zoho One vs Odoo: Open-Source vs All-in-One Suite im Vergleich (2026)
Zoho One vs Odoo: Cloud-SaaS gegen Open-Source-ERP. Preise, Implementierung, Vor- und Nachteile für KMU im DACH-Raum.
Zoho One vs Odoo — das ist ein Vergleich, den ich überraschend oft gefragt werde. Beide positionieren sich als All-in-One-Business-Plattform für KMU. Beide versprechen, den Tool-Wildwuchs zu beenden. Aber der Ansatz könnte unterschiedlicher nicht sein: Odoo ist ein modular aufgebautes Open-Source-ERP. Zoho One ist eine Cloud-SaaS-Suite mit 45+ Apps.
In diesem Vergleich schauen wir uns an, was das in der Praxis bedeutet — für dein Budget, dein Team und dein Business.
Die Philosophie: Zwei verschiedene Welten
Odoo: Open Source, modular, anpassbar
Odoo wurde 2005 in Belgien gegründet (damals als «OpenERP») und hat sich zum führenden Open-Source-ERP entwickelt. Die Philosophie: Du nimmst, was du brauchst. Jede Funktion ist ein Modul — CRM, Buchhaltung, Lager, Fertigung, Website, E-Commerce, HR. Du baust dein System Stück für Stück zusammen.
Der grosse Vorteil: Odoo ist Open Source (Community Edition). Du kannst den Code einsehen, anpassen und auf eigenen Servern hosten. Für Unternehmen mit speziellen Anforderungen und eigenem IT-Know-how ist das ein starkes Argument.
Die Kehrseite: Odoo Community ist eingeschränkt. Für die meisten Business-Features brauchst du Odoo Enterprise — und das ist weder kostenlos noch besonders günstig, wenn du alle Module addierst.
Zoho One: Cloud-first, alles inklusive
Zoho One kommt aus einem anderen Universum. Statt Module zusammenzustellen, bekommst du alles auf einmal: 45+ Apps, ein Preis, sofort einsatzbereit. Kein Server-Setup, kein Hosting, kein Deployment. Login und loslegen.
Der Nachteil: Du bist in der Zoho-Cloud. Self-Hosting ist nicht möglich. Anpassungen gehen über die eingebauten Konfigurationsoptionen und Low-Code-Tools (Zoho Creator), aber du hast keinen Zugriff auf den Quellcode.
Funktionsvergleich: Was kann was?
| Bereich | Odoo | Zoho One |
|---|---|---|
| CRM | ✅ Solide, ERP-integriert | ✅ Zoho CRM (marktführend für KMU) |
| Helpdesk | ✅ Odoo Helpdesk | ✅ Zoho Desk |
| Projektmanagement | ✅ Odoo Project | ✅ Zoho Projects |
| Buchhaltung | ✅ Stark (DACH-Lokalisierung) | ✅ Zoho Books (DACH eingeschränkt) |
| HR | ✅ Odoo HR | ✅ Zoho People |
| E-Commerce | ✅ Stark (nativer Webshop) | ⚠️ Zoho Commerce (basic) |
| Manufacturing/Fertigung | ✅ Sehr stark (MRP, PLM, Wartung) | ❌ Nicht vorhanden |
| Lagerverwaltung | ✅ Stark (WMS, Barcodes, Routen) | ⚠️ Zoho Inventory (basic) |
| Website-Builder | ✅ Odoo Website (integriert) | ✅ Zoho Sites (basic) |
| E-Mail-Marketing | ✅ Odoo Email Marketing | ✅ Zoho Campaigns |
| Analytics/BI | ⚠️ Eingebaute Reports | ✅ Zoho Analytics (vollwertige BI) |
| Marketing-Automation | ⚠️ Grundlegend | ✅ Zoho Marketing Automation |
| Low-Code-Plattform | ✅ Odoo Studio (Enterprise) | ✅ Zoho Creator |
| E-Mail-Suite | ⚠️ Odoo Discuss | ✅ Zoho Mail (vollwertig) |
| Office-Apps | ❌ | ✅ Writer, Sheet, Show |
Wo Odoo stärker ist
Manufacturing und Lagerverwaltung: Hier ist Odoo klar im Vorteil. MRP (Material Requirements Planning), Stücklisten, Fertigungsaufträge, Qualitätskontrolle, Wartungsplanung, Barcode-Scanner-Integration — Odoo ist ein echtes ERP mit Produktionsfokus. Zoho One hat hier schlicht nichts Vergleichbares.
Wenn du ein produzierendes Unternehmen bist — Maschinenbau, Lebensmittel, Elektronik — dann ist Odoo die naheliegendere Wahl.
Buchhaltung mit DACH-Lokalisierung: Odoo hat starke Lokalisierungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Schweizer QR-Rechnungen, deutsche SKR03/SKR04-Kontenrahmen, österreichische Registrierkassen-Anbindung — Odoo hat hier mehr Tiefe als Zoho Books.
E-Commerce: Odoo bietet einen nativen Webshop, der direkt mit Lager, Buchhaltung und CRM integriert ist. Für Unternehmen, die physische Produkte online verkaufen, ist das ein starkes Paket.
Wo Zoho One stärker ist
CRM: Zoho CRM ist einer der Marktführer für KMU-CRM. Pipeline-Management, KI (Zia), Canvas-Layouts, Marketing-Automation — das ist deutlich ausgereifter als Odoos CRM-Modul. Für vertriebsorientierte Unternehmen ein klarer Vorteil.
Analytics und BI: Zoho Analytics ist eine vollwertige BI-Plattform mit Cross-App-Dashboards, SQL-Abfragen und automatisierten Reports. Odoo hat eingebaute Reports, aber keine vergleichbare BI-Engine.
Helpdesk: Zoho Desk bietet Multichannel-Support (E-Mail, Chat, WhatsApp, Social Media, Telefon), Knowledge Base und KI-Features. Odoo Helpdesk ist funktional, aber weniger umfangreich.
Produktivitäts-Suite: Zoho Mail, Writer, Sheet, Show, WorkDrive — eine vollständige Office-Suite ist in Zoho One enthalten. Odoo hat nichts Vergleichbares; du brauchst Google Workspace oder Microsoft 365 daneben.
Marketing: Zoho Campaigns, Zoho Social, Zoho PageSense, Zoho Marketing Automation — für digitales Marketing bietet Zoho deutlich mehr Tiefe.
Preisvergleich: Die wahren Kosten
Hier wird es spannend — und kompliziert. Denn bei Odoo sind die Kosten weniger transparent als bei Zoho.
Odoo Pricing (2026)
Odoo hat drei Modelle:
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Community (Open Source) | Kostenlos | Basis-Module, Self-Hosting, keine offizielle Support |
| Standard | €24.90/User/Monat (jährlich) | Alle Apps, Odoo Cloud, Support |
| Custom | €37.40/User/Monat (jährlich) | + Odoo Studio, External API, Multi-Company, On-Premise |
Aber: Das ist nur die Lizenzgebühr. Die wahren Kosten von Odoo liegen in der Implementierung:
- Implementierungs-Partner: Odoo-Projekte werden typischerweise von zertifizierten Partnern umgesetzt. Tagessätze: €800-1’500 in der DACH-Region
- Anpassungen: Jedes Custom-Modul, jede Anpassung kostet Entwicklungszeit
- Hosting (bei Self-Hosting): Server, Wartung, Updates, Sicherheit — das sind laufende Kosten
- Odoo.sh (Hosting-Plattform): Ab €72/Monat für eine Produktivinstanz
- Updates: Major-Versionen (z.B. Odoo 17 auf 18) erfordern Migration — das ist ein Projekt für sich
Realistische Gesamtkosten für 20 User (Odoo Enterprise Standard):
- Lizenzen: 20 × €24.90 = €498/Monat (€5’976/Jahr)
- Implementierung: €20’000-80’000 (einmalig, je nach Komplexität)
- Laufende Anpassungen/Support: €5’000-15’000/Jahr
- Jahr 1 Total: €30’000-100’000
- Ab Jahr 2: €11’000-21’000/Jahr
Zoho One Pricing (2026)
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| All Employee (jährlich) | $37/User/Monat | Alle 45+ Apps, alle Features |
| All Employee (monatlich) | $45/User/Monat | Gleich, aber flexibler |
| Flexible (jährlich) | $90/User/Monat | Nur ausgewählte User lizenzieren |
Realistische Gesamtkosten für 20 User (Zoho One All Employee):
- Lizenzen: 20 × $37 = $740/Monat ($8’880/Jahr, ~€8’200)
- Implementierung/Beratung: €5’000-25’000 (einmalig)
- Laufende Anpassungen: €2’000-5’000/Jahr
- Jahr 1 Total: €13’000-33’000
- Ab Jahr 2: €10’000-13’000/Jahr
Der Kostenvergleich
| Kostenpunkt | Odoo Enterprise | Zoho One |
|---|---|---|
| Lizenz (20 User/Jahr) | ~€6’000 | ~€8’200 |
| Implementierung (einmalig) | €20’000-80’000 | €5’000-25’000 |
| Laufender Support/Jahr | €5’000-15’000 | €2’000-5’000 |
| Hosting | In Cloud inkl. / Self-Host: €2’000+/Jahr | Inkl. |
| Total Jahr 1 | €30’000-100’000 | €13’000-33’000 |
| Total ab Jahr 2 | €11’000-21’000 | €10’000-13’000 |
Die Lizenzen von Odoo sind günstiger. Aber die Implementierung und laufenden Kosten machen den Unterschied. Zoho One ist in den meisten Szenarien die günstigere Gesamtlösung — besonders wenn du kein internes IT-Team hast.
Implementierung: Out-of-the-Box vs. Projekt
Zoho One: Wochen statt Monate
Zoho One ist Cloud-SaaS. Du erstellst einen Account, aktivierst die Apps, konfigurierst Felder und Workflows, importierst Daten — fertig. Eine typische Zoho-One-Implementierung dauert:
- Einfaches Setup (CRM + 2-3 Apps): 2-4 Wochen
- Mittleres Setup (5-8 Apps, Automationen): 1-3 Monate
- Komplexes Setup (10+ Apps, Custom-Entwicklung): 3-6 Monate
Du brauchst keinen Entwickler für die Basis-Konfiguration. Power-User können das meiste selbst einrichten. Für Automationen und komplexe Workflows empfehle ich einen Berater.
Odoo: Monate bis über ein Jahr
Odoo-Implementierungen sind IT-Projekte. Du brauchst:
- Anforderungsanalyse: Was soll das System können?
- Konfiguration: Module aktivieren, Standard-Einstellungen anpassen
- Anpassung: Custom-Module entwickeln, Reports anpassen, Schnittstellen bauen
- Datenmigration: Alt-System → Odoo
- Testing: UAT, Performance, Integrationen
- Schulung: Team auf das neue System trainieren
- Go-Live: Parallelbetrieb, dann Umstellung
Eine typische Odoo-Implementierung dauert:
- Einfaches Setup (CRM + Buchhaltung): 2-4 Monate
- Mittleres Setup (+ Lager, Verkauf, Einkauf): 4-8 Monate
- Komplexes Setup (+ Manufacturing, E-Commerce): 6-18 Monate
Das ist kein Nachteil per se — Odoo-Projekte sind oft komplexer, weil sie tiefere Prozesse abbilden (Fertigung, Lager, Einkauf). Aber du solltest das Budget und die Timeline realistisch einplanen.
Self-Hosting vs. Cloud
Odoo Self-Hosting
Odoo kannst du auf eigenen Servern betreiben. Das gibt dir:
- Volle Kontrolle über Daten und Infrastruktur
- Keine Abhängigkeit vom Odoo-Cloud-Service
- Compliance: Daten bleiben auf deinen Servern (relevant für regulierte Branchen)
- Anpassbarkeit: Direkter Zugriff auf den Quellcode
Dafür brauchst du:
- Einen Server (oder Cloud-VM) mit ausreichend Ressourcen
- Linux-Admin-Kenntnisse (Odoo läuft auf Ubuntu/Debian)
- Backup-Strategie, Monitoring, Security-Updates
- Jemanden, der Major-Version-Upgrades durchführt
Alternativ: Odoo.sh — Odoos eigene Hosting-Plattform (ab €72/Monat). Managed Hosting mit Git-Integration, Staging-Umgebungen und automatischen Backups.
Zoho One: Nur Cloud
Zoho One gibt es ausschliesslich als Cloud-Service. Rechenzentren in der EU (Niederlande, Irland), DSGVO-konform. Aber kein Self-Hosting.
Für die grosse Mehrheit der KMU ist Cloud die bessere Wahl: Kein Server-Management, automatische Updates, keine Wartung. Aber wenn du aus regulatorischen Gründen Self-Hosting brauchst (bestimmte Branchen, Behörden), ist Odoo die einzige Option in diesem Vergleich.
DACH-Kontext: Wer hat die Nase vorn?
Odoo im DACH-Raum
Odoo hat eine starke Community in Deutschland und der Schweiz, besonders in diesen Bereichen:
- Manufacturing: Deutsche Fertigungsunternehmen nutzen Odoo als SAP-Alternative
- E-Commerce: Webshop + Lager + Buchhaltung aus einer Hand
- Lokalisierung: Gute deutsche Buchhaltungsmodule (SKR03/SKR04), Schweizer QR-Rechnung
- Partner-Netzwerk: Zahlreiche zertifizierte Odoo-Partner in DE, AT, CH
Die Odoo Experience (jährliche Konferenz in Belgien) hat eine wachsende DACH-Präsenz. Die Community ist aktiv, hilfsbereit und technisch versiert.
Zoho One im DACH-Raum
Zoho wächst im DACH-Raum, ist aber weniger sichtbar:
- Dienstleistungsunternehmen: IT, Beratung, Agenturen, Treuhand
- Vertriebsorientierte KMU: Wo CRM das Herzstück ist
- Partner-Netzwerk: Kleiner als Odoo in DACH, aber wachsend
- Lokalisierung: Buchhaltung für DACH nicht optimal (besonders CH)
Zoho investiert zunehmend in den europäischen Markt (EU-Rechenzentren, DSGVO-Tools), aber der DACH-Fokus ist noch nicht auf Odoo-Niveau.
Für wen ist was?
Wähle Odoo, wenn du:
- Ein produzierendes Unternehmen bist (Manufacturing, Lager, Fertigung)
- E-Commerce mit Lagerverwaltung betreibst
- Self-Hosting brauchst (regulatorisch oder strategisch)
- Open Source für dich ein Wert an sich ist
- Ein IT-Team oder Budget für einen Implementierungspartner hast
- Tiefe ERP-Funktionalität brauchst (Einkauf, Lager, Produktion, Qualität)
- Die DACH-Buchhaltung nativ funktionieren muss
Wähle Zoho One, wenn du:
- Ein Dienstleistungsunternehmen bist (Beratung, IT, Agentur)
- CRM und Vertrieb dein Hauptfokus ist
- Du schnell starten willst ohne langes Implementierungsprojekt
- Du ein begrenztes IT-Budget hast (kein Entwicklerteam)
- Du Marketing-Automation, Analytics und Helpdesk brauchst
- Du den günstigsten Gesamtpreis (TCO) suchst
- Du 45+ Apps sofort einsatzbereit haben willst
Die Mischung?
Manche Unternehmen nutzen Odoo für ERP/Lager/Fertigung und Zoho CRM für den Vertrieb. Das kann funktionieren, erfordert aber eine saubere Integration (API oder Middleware wie Zoho Flow / Make).
Meine ehrliche Empfehlung
Odoo und Zoho One sind für unterschiedliche Unternehmen gebaut:
- Produzierend + Lager + ERP → Odoo
- Dienstleistung + CRM + Marketing → Zoho One
So einfach ist es meistens. Wenn du Maschinen baust, Waren lagerst oder Stücklisten verwaltest — nimm Odoo. Wenn du Kunden berätst, Projekte managt und digitales Marketing machst — nimm Zoho One.
Und wenn du unsicher bist: Die Implementierungskosten sind der grösste Faktor. Zoho One kannst du in 2-4 Wochen produktiv haben. Odoo braucht Monate. Wenn du schnell starten willst und kein grosses IT-Projekt stemmen kannst, ist Zoho One der pragmatischere Weg.
FAQ
Kann Zoho One als ERP genutzt werden? Bedingt. Für Dienstleistungsunternehmen (CRM + Projects + Books + Desk) funktioniert es als «leichtes ERP». Für klassische ERP-Anforderungen (Fertigung, Lager, Einkauf) fehlen Zoho die Module.
Ist Odoo Community Edition wirklich kostenlos? Ja, der Code ist Open Source (LGPL). Aber: Die Community Edition hat deutlich weniger Features als Enterprise. Kein Studio, kein offizieller Support, eingeschränkte Module. Für produktiven Einsatz brauchst du fast immer Enterprise.
Kann ich von Odoo zu Zoho One migrieren? Ja, aber es ist ein Projekt. CRM-Daten lassen sich gut migrieren. Buchhaltungsdaten sind komplexer. Plane 2-4 Wochen mit einem Berater ein.
Was ist mit den Preisen in CHF? Odoo rechnet in EUR ab. Zoho in USD. Bei aktuellen Wechselkursen (Feb 2026): Zoho One ≈ CHF 34/User/Monat, Odoo Standard ≈ CHF 23/User/Monat (nur Lizenz).
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